Das war der Hintergedanke, als ich, Daniel Pfeffel - Gastgeber
vom Kristall und Wanderfreund - die Wanderpläne für die drei
höchsten Gipfel unserer Region zusammenstellte.
Jede Tour ein Highlight für ambitionierte Bergwanderer, jeder
Gipfel ein 360°-Panorama der Extraklasse. Echte Geheimtipps für
echte Bergliebhaber.
Das Wetter versprach von vornherein weite uneingeschränkte Aussichten. Und so starteten wir mit vollem Elan vom Parkplatz Stupfer (P2 im Gaistal) aus hinauf zur Wangalm, die nach 60 Minuten unsere erste Rast versprach. Nach einem erfrischenden Hollersaft gespritzt (für unsere deutschen Gäste „Holundersaftschorle“) erklommen wir den schmalen Steig hinauf zum Scharnitzjoch auf 2.048 Höhenmetern. Bereits von diesem Aussichtspunkt aus war der Blick ins Puittal jeden
verlorenen Schweißtropfen wert.
Entlang des Bergrückens verlief der Weg an Bergblumen und Distelsträuchern vorbei zu den gerölligen Berghängen des Wettersteingebirges. Immer den Blick auf das Ziel Gehrenspitze gerichtet, folgten wir dem Weg, der abwechselnd nach links und rechts abbog. Gleich einem Labyrinth einer
Warteschlange auf einem Rummelplatz.
Nach 2 Stunden 31 Minuten erreichten wir den höchsten Punkt der Gehrenspitze und zugleich das Gipfelkreuz, das über der Leutasch thront. Von hier aus konnten wir die 360° Panoramaaussichten auf die südwestlich gelegene Hohe Munde (im Sommer 2.592 m, im Winter etwas höher!), die sich nördlich ausdehnenden Südhänge des Wettersteins bis zur Zugspitze (2.962 m) sowie die nordöstlich gelegene Arnspitze mit dem dahinterliegenden Karwendelgebirge genießen. Ein wenig erschreckend sollte der Blick hinter dem Gipfel sein, wo sich eine steile Felswand bis hinab ns Puittal erstreckte.
Unser persönliches Highlight war jedoch der Ausblick über die Leutasch auf das Seefelder Plateau und die Sicht direkt in den Infinitypool vom Hotel Kristall, der nach dem Abstieg eine angenehme Erfrischung versprechen sollte.
Der Aufstieg zum höchsten Gipfel am Seefelder Plateau benötigte etwas mehr Vorbereitung und Planung. Für die Besteigung der Hohe Munde (2.592 m) an der Mieminger Kette war es wichtig, das Wetter, die gesundheitliche Verfassung sowie die Jahreszeit zu beachten. Tatsächlich gelang es mir im ersten Sommer nicht den Gipfel zu erreichen. Abgesehen von der Jahreszeit – auf der Munde konnte bis in den Juni hinein Schnee liegen und bereits ab Ende August wieder verschneit sein – war das Wetter ein wichtiger Faktor im Spiel um jeden Höhenmeter. Im ersten Jahr hatte ich das Pech, dass sich der Winter besonders lang auf der Mieminger Kette hielt. Als sich der Schnee lichtete begannen die ersten Vorbereitungen, die jedoch an den möglichen Wandertagen oft durch Regen zunichte gemacht wurden.
Im Laufe des Sommers gab es zwar immer wieder Trockenperioden, die jedoch aufgrund der durch aufkommende Hitzewellen entstandenen hohen Temperaturen einen Aufstieg gefährlich machten. Oberhalb der Baumgrenze auf ca. 1.800 Höhenmetern gab es keine Möglichkeit für eine schattige Rast. Man war der Sonne gnadenlos ausgeliefert. Der dritte Grund, warum uns der erste Aufstieg zur Hohen Munde nicht gelang, war ein Sturz meines Neffen Maximilians, der mich damals begleitete. Auf halber Strecke stürzte er im Geröll und hatte ich den Fuß verstaucht. Trotz seines Willens, den Aufstieg weiterzuführen, entschied ich mich, unsere Wanderung abzubrechen. Die Munde sollte uns nicht davonlaufen…
Ein Jahr später war jedoch alles perfekt. Keine Schneeflocke lag mehr am Gipfel, das Wetter war ausgezeichnet mit angenehmen 21 Grad Celsius im Tal und unsere Gesundheit und Fitness in bester Verfassung.
Vom Parkplatz Munde (P 18) aus starteten wir unseren Trip. Innerhalb von 45 Minuten erreichten wir bereits die Rauthhütte auf 1.605 Höhenmetern. Kurz gestärkt führte uns der Weg über den Zugspitzblick mit Aussicht ins Gaistal durch Latschenkiefer westlich des Berghangs hinauf. Eine Besonderheit an der Hohen Munde ist die klare Abgrenzung der Höhenstufen in der Natur. Anfangs noch Laub- und Mischwälder folgen im weiteren Verlauf Almwiesen, dann Latschenkiefer und Zwergsträucher und im Anschluss der felsige Gipfelbereich. Besonders markant wirkt dieser mit
Schnee und Eis.
Oberhalb der Latschenkiefern führte unser Aufstieg in immer steileres, schottriges und von Felsen durchsetztes Gelände. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er uns nur einen halben Höhenmeter näher an den Gipfel bringen. Mit jedem gewonnenen Meter wurde der Weg rauer, ausgesetzter und anspruchsvoller. Teilweise kamen wir nur noch auf allen Vieren voran.
Auf etwa 2.140 Metern Seehöhe ging der breite Schotterweg in einen schmalen Pfad über, der sich durch steile Felsrinnen schlängelte. Entlang der nordöstlichen Flanke querten wir den Hang hoch über der Marktgemeinde Telfs, die rund 1.400 Höhenmeter unter uns lag.
Schritt für Schritt und stets konzentriert erreichten wir nach 2 Stunden und 49 Minuten das Gipfelkreuz der Hohen Munde. Der markante Doppelgipfel wird auch als „Grand Dame der Alpen“ bezeichnet. Der Ausblick vom Gipfel machte diesem Namen alle Ehre: Der südliche Alpenhauptkamm mit den markanten Kalkkögeln, der Inn, der sich durch das Inntal schlängelte, sowie das Wettersteingebirge, das sich in seiner ganzen Größe vor uns erstreckte.
Mein persönliches Highlight und Must-have unserer Region ist der Königsweg, der vom Seefelder Joch über die Seefelder Spitze und weiter über die Reither Spitze führt. Der Vorteil hierbei: Die ersten 800 Höhenmeter können mit der Standseilbahn und Gondel überwunden werden.
Kräfteschonend haben unser Barkeeper Swiss und ich unseren Aufstieg zur Reither Spitze begonnen. Da es Swiss erste Gipfelwanderung war, wollten wir auf seine Kondition achten. Einen besonderen Eindruck dieser Wanderung hinterließ bereits die Inversionswetterlage, das bedeutet, das die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren im Tal. Das hatte für uns zur Folge, dass wir mit der Gondel eine Wolkendecke durchstießen und im strahlenden Sonnenschein das Seefelder Joch auf 2.060 Höhenmetern erreichten. Von hier genossen wir die Aussicht auf ein Meer aus Wolken, aus dem sich in der Ferne die einzelnen Berggipfel des Alpenhauptkamms erhoben.
Der Königsweg führte uns über einen breiten Grat hinauf zur Seefelder Spitze (2.221 m). Von hier aus war der Kessel, durch den der Wanderweg zur Reither Scharte führte, für Swiss furchteinflößend. Doch mit gutem Zureden erkannte er bereits wenige Minuten später, wie angenehm es sich auf dem weichen Geröll laufen ließ.
Mit dem Übertreten der Reither Scharte befanden wir uns nun genau unterhalb der Reither Spitze. Von hier an änderten sich auch die Wegbedingungen.
Der Weg wurde schmäler, steiler und rauer. Eine Leiter führte uns entlang des Berghangs hinauf zu einem Drahtseil, das uns während unseres Aufstiegs immer wieder begleiten sollte. Unser Weg war zu keiner Zeit gefährlich, jedoch sollte man in diesem Gebiet trittsicher und schwindelfrei sein. Zum Teil muss man sich auf allen Vieren fortbewegen.
Den Weg bis zur Spitze krönten immer wieder herrliche Aussichten über das Seefelder Plateau. Und der Gipfel selbst (2.373 m) bot erneut grandiose Ausblicke auf das Karwendel, das Wettersteingebirge und das Inntal. Ein Gipfel, der auf jeder Bucket List stehen sollte. Nach einer kulinarischen Stärkung an der Nördlinger Hütte (2.230 m) führte uns der Rückweg zur Bergstation Härmelekopfbahn, von wo aus wir bequem mit der Bergbahn hinab ins Tal fuhren.